Alles ist Wurst

Diese Wurst hatte bereits mehr als zwei Enden
Ein Essen, bei dem sich der geneigte Hundebesitzer instinktiv in die Tasche greift, um eine kleine schwarze Tüte herauszuholen. Doch zu früh! – man braucht sie höchstens nach dem Essen.

Ein Essen, eher gesetzt denn gekocht. Eine windschiefe, von mäandernder schwarzer Kruste überzogene Darmschlinge krümmt sich schmucklos auf dem Teller hin. Ich bin verkrampft bemüht, das Tablett möglichst gerade zu halten, damit die Wurst nicht sofort herunter kullert und dabei mit etwas Pech noch eine zusätzlich appetithemmende Bremsspur mit dem Senf zieht.

Der Geschmack ist ein Potpourri aus Fettstücken, Salz und verschiedenen Nuancen von verbrannt. Liegt selbstverständlich schwer im Magen und kommt auch genau so wieder raus. Mahlzeit!

Königsberg am Ende

Mandel-OP gelungen
Erneut Klöpse des Grauens. In vielen Kantinen das Urgericht dank seit Jahrzehnten unverändert bequem zugekaufter Convenience-Klöpse, ergänzt um eine verschwitzte Mehl-Schwitze, verziert mit verkochtem Reis und getötet mit Unmengen von Salz. Trostlosigkeit, wohin das Auge blickt. Kein Wunder, dass die ursprüngliche namensgebende Stadt heute anders firmiert.

Kapern treiben wie verlorene Schiffsbrüchige einsam durch ein Meer aus Fett-Sedimenten in tristem Grau, das an den Rändern ausdünnt in eine milchige Suppe verdichteter Chemtrails. Schamhaft versteckt sich ein mit achtlosen Spritzern Maggie aufgewertetes Häufchen Reis hinter dem namensgebenden Bollwerk, welches mit dem Charme einer Koralle im Ölteppich vor mir liegt: vollgesogen, schwer, kraftlos, kaputt. Zäh greift die Konsistenz des Suds nach der Gabel, um diese auf ewig an den Teller binden zu wollen. Mit leicht knacksenden Handgelenken ziehe ich das Besteck heraus und beginne zu Essen, dem Schicksal aller Arbeitnehmer verpflichtet: Jede Handlung als eine Aufgabe, die erledigt werden muss.

Das Soylent Green des kleinen Mannes

In seinen besten Momenten schmeckt es fast so aufregend wie es aussieht
Eine Insel zu Schleim verquirlter Kartoffeln ersäuft in einer unglücklichen Hochzeit von Spinat und Rahm mit einer Konsistenz von Verfall, während zwei Kartoffeltaschen wie zwei gestrandete Pottwale am Tellerrand verenden.

Schnell greife ich zum Besteck und versuche unbeholfen, die glibberige Brühe per Gabel mithilfe einer Grundschicht Kartoffelmatsche in den Mund zu balancieren. Die Zeit drängt, denn der Spinat möchte sich eine Haut zulegen. Der Rahmspinat erinnert frappierend an einen Garagenabfluss nach dem Schrubben einer Windschutzscheibe, der Frischkäse in den Kartoffeltaschen lässt mich über die vielen Bedeutungen des Begriffs "Frische" sinnieren;  darüber, wie entfernt der Begriff von jedem zeitlichen Aspekt verwendet werden kann.

Das Gericht, welches im verwinkelten Lauf menschlicher Darmschlingen lediglich Form, nicht aber Konsistenz verändert, hinterlässt am Ende immerhin einen organischen Eindruck und damit ein frohes Gefühl. Hätte schlimmer kommen können.

Grauen bis ins Mark

Roadkill mit Sonnenbrand
Cannelloni al Forno (vegetarisch), der unvermeidliche Nachfolger in der Verwertungskette übrig gebliebener Großküchenvorräte (hier: letztwöchige Lasagne), zuverlässig wie der Lauf der Zeit serviert. Gemischte Gefühle: einerseits ein starkes Zeichen gegen Verschwendung, andererseits Ausdruck mangelnder Planung. Letzteres trifft auf das ganze Gericht zu - niemand kann dieses Siechtum auf dem Teller gewollt haben.

Wer warmes Tomatenmark mag, dem mag das Mark nicht ins Mark gehen: Dieses Gericht ist ein Plädoyer für den ungezügelten Einsatz dreifachkonzentrierten Tomatenmarks, kaschiert durch an den Zähnen knarzenden Teigplatten, umhüllt von einer trockenen Kruste am Zahnschmelz raspelnden Käses. Alles rutscht zäh über dem Teller auf einem dünnen Film wie Wundflüssigkeit austretender Feuchtigkeit. Und dazu das Rätsel um die Füllung! Jedem Sandsack würde sie zur Ehre gereichen  –  für den perfekten Trockenraum einfach beim nächsten Dauerregen ein paar Cannelloni vor die Kellerfenster stopfen.

Und so heißt es zum Schluss:
Wer es genießt und sogar kaut
Hat seine Pause nicht versaut!

Schuftnudeln

Kompos(t)ition alltäglichen Grauens
Gemüse - schmackhaft, gesund, gut. Bilder frischen Grüns ziehen an meinem inneren Auge vorbei, im Ohr das knackige Brechen erntefrischer Zutaten.

Trotz aller Berufserfahrung erwischt mich die Realität kalt. Auf dem Teller dampfende Gemüseschlacke, die beim Navigieren des Tabletts zähflüssig über den Teller kriecht, als wolle sie sich völlig zurecht verstecken.

Am Platz zerteile ich das Gebilde mit einer Abgebrühtheit, die jeden Gerichtsmediziner vor Neid erblassen ließe. Dumpf sticht der Muff totgegarten Gemüses erst in die Nase, um dann mit der Gewalt eines durch faulige Gewässer brechenden Tsunamis bis in den letzten Winkel der Mundhöhle zu schwappen. Unnachgiebig verlischt die Welt, die Zunge erlahmt, mit einem pelzigen Gefühl von Betäubung und Resignation sterben selbst jene Geschmacksknospen, die über Jahre mühsam gelernt haben, in Maggi Trost zu finden.

Selektives Essen beginnt; der mühsam gelernte Vorgang, in dem es mir durch Erfahrung gelingt, die essbaren Anteile zu identifizieren und zielsicher aus der diffusen Menge zu fischen. Gedanken drängen sich auf - wurde nach Rezept gekocht, oder ist hier all das zusammengerührt, dass nach langen Tagen in den Katakomben der Systemgastronomie abends in den großen Spülbecken nicht mehr durch das Abflusssieb entfliehen konnte?

Enttäuscht knalle ich mein Tablett auf das Rückgabeband. Es bleibt ein Essen in Erinnerung, so schmackhaft, wie von einem Gärtnerstiefel gekratzt. Leider von der Innenseite.

Schaschlik-Spieß

Das heutige Tagesgericht beflügelte die Phantasie: Wie ich mit einer Nagelpistole eine Ratte schoss, sie am Spieß ein wenig im Saft schmoren ließ, speckiges Gemüse dran bastelte und all das aus der Küche gehen ließ.

Aber ich bin nur ein kleiner Mitarbeiter; derart komplizierte Gerichte und die damit verbundenen komplexen Vorgänge entziehen sich meiner Kenntnis.

Intermedium der Kunst

nur ein kurzer Blick;
wollt' es endlich wissen;
wird mir gewahr:
es wird beschissen.
auch heute wieder keine Wahl
statt Leckereien große Qual!

Gewagte Kost aus Fernost

Ein Fiasko: Erst kotzen die Augen, dann zittert der Gaumen, schlussendlich ächzt der Magen. Ein harmloses italienisches Gericht, vergewaltigt durch den Versuch, mit Exotik Varianz im täglichen Reigen lustlosen Speisematsches zu simulieren: Thai-Spaghetti.

Speisen aus Thailand mögen, wie allgemein bekannt und sofern dort am Straßenrand gekauft, den abwärts und auswärts führenden Ringmuskel in einen Springbrunnen verwandeln; neu ist, dass sich dieser Einfluß bis auf hiesige Kantinen erstreckt. Wenn das nun wenigstens mit Schärfe erkauft würde, schließlich assoziiert so mancher eine brennende Nudel mit Thailand - aber nein, geschmacklich bleibt auch diese Kreation im Bereich von Fugenmasse, bei einer Optik, als hätte sich die exotische Vielfalt thailändischer Fauna versammelt, um die gleichwohl fremdartige Flora auf die arglos drapierten Spaghetti zu kotzen. 


Wer sich diese Zumutung trotzdem um die Gabel wickelte, dem blieb am Ende die Erkenntnis, dass sich mancher Kompost daneben jung gefühlt hätte. ทานอาหารอร่อย!

Hingenudelt und vollgekocht

Nudelauflauf - ein einfaches Gericht? Kann man nicht viel falsch machen? Weit gefehlt! Gerade hinter den einfachen Dingen verbergen sich manchmal komplexe Spuren des Ekels - die Banalität des Bösen, serviert aus dem Kabinett missverstandener Systemgastronomie. So ist das mit dem Kochen: Für die einen geliebtes Hobby, für die anderen nur ein Scheißjob. Letzteres ist durchaus wörtlich zu verstehen.

Als Aperitiv empfiehlt sich heute der Genuss von Ölverdünner oder sonstigen Dispersionsmitteln; dennoch wird einem schon beim bloßen Anblick des träge im Teller treibenden Nudelkonglomerats ölig zumute. Unweigerlich stellt sich die Frage, mit Schwerpunkt auf welche Körperöffnung hantiert wurde, wohl wissend, dass im Darm mehr Nervenzellen als im Gehirn vorhanden sind. Psychoterror in einer kulinarischen Ausprägung, das ist nicht neu, aber jeden Mittag auf ein Neues verstörend.

Der Krampf mit dem Mampf

Die heutige Aktion wider den Appetit bescherte uns einen weiteren Tag freudlosen Mittagessens. Der Niveaulimbo der Hobbygroßküche machte sich auf, eine neue Tiefstmarke zu knacken und uns den Spaß an Pasta zu verleiden. Offensichtlich ist hier nicht nur der Teppichetage der kausale Zusammenhang zwischen Verpflegung und Mitarbeitermotivation ("ohne Mampf kein Kampf") unbekannt. Denkt man diesen Zusammenhang konsequent zuende, so wären die Büros leer gefegt. Aber nein, man ist ja zivilisiert und stopft sich widerspruchslos mit einem obskuren Gemisch an Pasta angelehnter Zutaten voll. Der tägliche Gang in die Kantine adelt den gemeinen Angestellten zum Überlebenskünstler: So leicht bekommt hier keiner Durchfall mehr.

Wenigstens wurde mit diesem Gericht eine These widerlegt: Fett muss als Geschmacksträger nicht notwendigerweise für Geschmack sorgen. Selbst wenn es kleine trübe Pfützen auf dem knochentrockenen Lasagne-Teig bildet, durch eine sandige Schicht säuerlichen Tomatenmarks sickert oder sich mit dem Käse zu einem sumpfigen Matsch vereint. Manchmal kann einem selbst die Magensäure Leid tun.

Auf Kosten der Kost

Tagesmotto: Was der Schweinemast genügt, kann dem Kostenfaktor Mitarbeiter nur recht sein! Optisch an eine überfahrene Ratte mit herausgeplatzem Gedärm erinnernd, war das heutige Trauerspiel unter dem beschönigenden Namen "Pfannkuchenrolle mit Gemüsefüllung" zu haben und schmeckte wie Vegetarier mit Mundgeruch.

Wer es daheim nachkochen möchte: Kompost-Eimer in die Pfanne hauen, anschließend blickdicht in Pfannkuchenteig einwickeln. Als Beilage empfiehlt sich der billigste Instant-Kartoffelbrei, gelb und sahnig wie der Haufen einer chinesischen Riesen-Taube. Anschließend auf einem schmierigen Tablett servieren, lustlos mit der Gabel umgraben, den dabei aufsteigenden Geruchswolken ausweichen und dezent entsorgen. Zur Tafel gehen, um mal wieder richtig gut zu speisen.

Essen wie der Finger an der Gurgel

Unter dem Deckmantel des Rösti hat schon so manch faulige Kartoffel den Weg auf unsere Teller gefunden - doch was heute oral verklappt wurde, geht auf keine Kuhhaut, passt in kein Alphorn und war Käse!

Sich angstvoll in die Ecke des Tellers drängend, sah das Rösti auf den ersten Blick aus wie Pizza mit fieser Akne; auf den zweiten Blick wünschte man sich, es wäre nur das - angesichts des seltsamen Konstrukts aus altem Küchenfett und Kartoffelgrütze beendete der Ekel vorzeitig die Mittagspause.

Zurück blieb neben dem Ekel auch Verwunderung: Es ist schon ein anatomisches Wunder, wie etwas äußerlich verkrustetes im Inneren soviel flüssiges Fett enthalten kann - wie eine Praline, die von einer Schicht verbrannten Käses zusammengehalten wird.

Und so verlässt man das Brechstüberl heute eine Spur nachdenklich: Ab welcher Essensqualität muss eine Gefahrenzulage auf dem Gehaltszettel ausgewiesen werden? Und wo beginnen die Genfer Konventionen?
Essen wie dieses formt Menschenrechtsaktivisten.

Grieß? Gram!

Die Enttäuschung im Brechstüberl war heute wieder grenzenlos, will heißen, jenseits aller Grenzen guten Geschmacks. Dieses Essen ist eine erneute Kriegserklärung gegen das eigene Berufsethos und präsentierte sich dermaßen lieblos, dass wir von Vernachlässigung sprechen können.

Doch zu den unappetitlichen Details: Es handelt sich um Grießnockerl, überbacken mit einer harten und dennoch klebrigen Lage geschmacklosen Käses auf einer Schlickschicht glitschigen Spinats. Die optische Affinität zu einer gewissen Begleiterscheinung des Oktoberfests drängt sich instinktiv auf. Teilte ich mit den Kollegen nicht das gleiche Schicksal, es wäre mir peinlich, mit einem solchen Fraß gesehen zu werden; einem Fraß, der einem vom Teller ein riesiges, anklagendes WIESO?! entgegen schreit - warum existierst du überhaupt, du Cuisine-Gräuel? Ja, das ist Essen, so schlecht, dass einem "draußen" keiner glaubt. So war denn auch der eigentliche Verzehr kein Vergnügen, sondern eher Körperverletzung, die mit jedem Bissen die Geschmacksnerven in einen Würgegriff legte.

Doch ich will nicht nur meckern: Die Semmel war in Ordnung, direkt genießbar. Ich könnte mich glatt zu einem Lob hinreißen lassen, hätte ich nicht den wenig appetitlichen Saft trinken müssen, um sie überhaupt schlucken zu können.

Erfahrungen wie die heutige begründen unseren Urlaubsanspruch. Definitiv.
Doch ich will nicht nur meckern: Die Semmel war in Ordnung, direkt genießbar. Ich könnte mich glatt zu einem Lob hinreißen lassen, hätte ich nicht den wenig appetitlichen Saft trinken müssen, um sie überhaupt schlucken zu können.

Erfahrungen wie die heutige begründen unseren Urlaubsanspruch. Definitiv.

Tanz der Moleküle

Tja, das Essen heute: sieht aus wie eine unglückliche Verkettung noch unglücklicherer Moleküle, brennt sich in Sekundenschnelle in Netzhaut, Nasenschleimhäute und Langzeitgedächtnis und enttarnt sich beim Blick auf die Speisekarte mit dem Unwort "Balkanklößchenspieß". (Die schlechte Laune im Balkan wäre somit übrigens geklärt.)

Der zweite Blick lässt erkennen, dass die unzerkaubaren Fetzen wohl Rattenfett sein müssen; dass das ledrige grüne Etwas zu lang gegarte Papirka ist - oder vielmehr war. Apropos Paprika, ich frage mich oft: wie kann Paprika durch Erhitzen so scheußlich bitter werden? Haben die kein Kochwasser, nutzen die Bitter Lemon? Wohl nur, wenn's das umsonst gibt. Und auch dann nur, wenn's noch frei Haus geliefert wird. Plus Gutschein für die nächste Bestellung. Ja, durch das Essen könnte tatsächlich das Budget angekratzt werden - dann wird's nichts mit dem jährlichen Betriebsausflug in die McDonalds-Filialen im Umland!

Die Beilagen sind wieder einmal nicht der Rede wert. Allein der Saft hat die Farbe von Dünnschiss nach einem Safram-Gericht, wieso ins Detail gehen. Vom Salat scheint es heute nur den Strunk zu geben, die Kartoffeln .. danke, es reicht schon wieder!

Skandal-Nudeln

Welcher Suppen-Nazi ist bloß für die heutige braune Brühe verantwortlich? Getreu des Kantinenmottos "Penetranz statt Varianz" war diese wie so oft gründlich versalzen und blieb nur wegen ihres schaurigen Mundgefühls (einer Mischung aus zähem Brei und Krümeln) in Erinnerung.

Das Hauptgericht präsentierte sich hingegen, als wären seine Zutaten allesamt auf dem Teller verendet. Ist es vom angeblich gelernten Fachpersonal möglicherweise zuviel verlangt, das Essen in einer Form anzurichten, bei der nicht sofort meine Augen kotzen?

Kurz gesagt war die heutige Cuisine auf Nachkriegsniveau - dem eines Atomkrieges.
Dazu eine Extraportion Lieblosigkeit, nach dem Prinzip: "Wir haben's irgendwie warm gemacht, schmecken muss es euch schon selber". Ich musste mir sogar die Sauce selbst mischen, Essen nach dem Baukastenprinzip!

Da der Parmesan ungesund bitter schmeckte, war ich genötigt den heutigen Feldversuch aus ethischen Gründen sofort abbrechen. Blog hin oder her, meine körperliche Unversehrtheit geht vor.

Porca miseria!

Wenn die Mafia plötzlich Schmerzensgeld statt Schutzgeld fordert, wird in der Kantine wieder italienisch gekocht. Und wenn ich Kochen sage, meine ich das hier in seiner wohlwollendsten Definition, denn für die Geschmacksnerven wurde es kriminell.

Ganz davon abgesehen, dass ein so kleines Stückchen Pizza kaum sättigend ist und daher auf der Speisekarte die Größenbezeichnung "Pizzastück" angebracht wäre: W
elche Plattenbauten wurden denn für diesen Teig abgerissen? - Maledetto, versteinerte Cantuccini könnten nicht bissfester sein! Dank der immerstumpfen Kantinenmesser artete das Essen daher in eine hilflose Säbelei aus. Bei all dem Geschneide und Gefluche fiel der pappige Belag nicht weiter ins Gewicht; Tomatenmark, Schinken-Ersatz und nach Essig schmeckende Pepperoni hinterließen nicht den geringsten Eindruck. Im Nachhinein frage ich mich, ob es die Mühe wert war - Essen als masochistische Erfahrung? Dann doch lieber mit Betonfüßen in den nächsten See springen!

Klöpse des Grauens

Wie mindestens zwei Mal jeden Monat gibt es Königsberger Klopse - das steigert die Vorfreude nicht unbedingt. Schicksalsergeben ließ ich mir so denn die Pampe auf's Tablett klatschen und schlich gedemütigt an einen freien Platz.

Vom Teller glotzte der ganze Frust gelangweilter Kantinenköche: Paniermehl-Bällchen mit einem erstaunlich geringem Anteil fleischähnlicher Substanz, dazu eine alles mit einer festen Haut überziehenden Sauce, dank derer die Klopse sich nur mit Gewalt vom Teller lösen wollten. Überhaupt, die Sauce: Flüssigbeton trifft auf Ballistik-Gel. Zufällig wurde ein neuer Aggregatzustand entdeckt und keiner hat's gemerkt - das ist dann wohl am Nobelpreis vorbei gekocht.

Im alten Preußen mag es viel Bestrafung gegeben haben, aber offensichtlich nicht für den Tatbestand der Gaumenschändung. Na wenigstens ist mir jetzt klar, warum man dort so kriegsversessen war.

Es lassen kosten: der nahe und der ferne Osten

Betrachtet man Kantinenessen als Strafe, sind wir heute knapp an der Folter vorbeigeschrammt. Wenn ich nur wüsste, wofür wir büßen - vermutlich für mangelndes Interesse an der Ausbildung von Systemgastronomen. Schuldig im Sinne der Anklage!

Tagestiefpunkt war unbestreitbar das Ćevapčići: böse Zungen sprechen von einer auf den Teller verlagerten humanen Katastrophe. Die Röllchen schmeckten nach Altbeständen groß-jugoslawischer Fleischkolchosen, während den Reis noch Mao selbst gepflanzt haben muss. Alles in allem also recht muffig. Dazu kommt der optische Charme eines Katzenklos, den wir vor allem dem Hackfleisch verdanken, das hart wie Hasenköttel und zäh wie Ziegenbock war und sich wider aller physikalischen Gesetze auf dem Haufen glitschigen Tomatenreises halten konnte.

Leider fand ich auch in den Beilagen keinen Trost, begegnete ich doch tatsächlich der Schweinskopfsülze von gestern wieder, inzwischen mehr Sülze als Fleisch. Apropos Fleisch: beim heutigen Obstsortiment konnten sich Vegetarier ihrer Sache nicht allzu sicher sein. Letztendlich sorgte lediglich die Suppe für Abwechslung, wenn auch nur, weil ich sie halb verschüttete. So konnte ich plötzlich auf dem Boden der trüben Brühe die wenigen kümmerlichen Reiskörner und steinharten Erbsen zählen. Mao hätte sich gefreut.

Feine Bissen in Sauce

Heute unter anderem im Angebot: Schweinskopfsülze. Da diese optisch ihrem Namen leider alle Ehre machte, musste ich mir spontan ein Alternativprogramm zusammenstellen, dass - wie sollte es auch anders sein - mir auf den Magen schlug.

Zuerst diese Tomatensuppe: erinnerte an mit Wasser verdünntes Tomatenmark, eine Spur von Tomate, ansonsten leicht säuerlich. Leicht säuerlich hätte ich mir auch den Orangensaft gewünscht, nachdem sich mein Zahnschmelz allein vom Geruch zu zersetzen schien.

Trotzdem versuche ich Suppe und Saft einigermaßen zu genießen, denn der Blick in die Mitte des Tablettes ließ mir klar werden: das wird kein Vergnügen heute. Die Qualität des Geschnetzelten lag irgendwo unterhalb Discounter-Tierfutters
, und ein verwöhntes Haustier hätte den Teller sicher unberührt gelassen. Nach einigen Bissen stieß ich dann auch wenig überraschend auf eine unzerstörbare Kombination aus Knorpeln und Sehnen. Es folgte ein schneller Wechsel zum Dessert - und für dieses muss ich eine Lanze brechen, das Brombeer-Mousse schmeckte! Zwar größtenteils nach Industriezucker, aber in einem noch genießbaren Rahmen süß. Na also, ein Zufallstreffer ist immer möglich!

Globalisierung schmeckt nicht

Wenn Kantinenköche meinen, ihre Weltgewandtheit unter Beweis stellen zu müssen, mischt sich auf dem Sechseck des Grauens (rechts im Bild) manchmal etwas zusammen, dass unmöglich auch nur einem Menschen schmecken kann - ein wahrhaft kulinarisches Paradoxum. Doch der Reihe nach.
Für die Vorspeise wurde die nahzu täglich gereichte Kraftbrühe mit "Schinkenfädle" aufgepeppt, die mit der Eleganz toter Aquarienfische durch die trübe Brühe schaukelten.

Der Krautsalat wurde erst durch kräftiges Kauen zum Salat - vielleicht eine Strategie, den Mitarbeiter in die Küchenarbeiten zu integrieren. Erlebnisessen oder Kostenersparnis?


Wem jetzt noch nicht der Appetit vergangen war, wagte sich an das Hauptgericht: die übliche Resterampe erhielt durch den Einsatz von reichlich Curry, Bambussprossen und gummiartigen Morcheln einen exotischen Anstrich. Exotisch im Sinne von keiner bekannten Kultur zuordbar, zumindest Esskultur - sollte es tatsächlich einen Ort geben, an dem ein solches Allerlei kredenzt wird: die Lebensqualität dort muss unter dem Durchschnitt liegen. Weit drunter.


Bleibt resignierend anzumerken, dass unabhängig vom vermeintlichen Ursprungsland eines Gerichts der kantinenübliche Grundgeschmack nach altem Nudelwasser und einer Spur Zitronenreiniger erhalten bleibt. Da soll sich einer im Urlaub nochmal über die Hotelküche beschweren!

Bindemittel & Briefmarken

Der Blick in die Speisekarte ließ nichts Gutes erahnen, denn diese kündigte "Nudeltaschen mit Gorgonzola-Birnen-Füllung" an. Oha, Nudeltaschen. Oha, Teigreste.

Es kursiert die landläufige Meinung, bei Nudelgerichten könne man nicht viel falsch machen. Kantinenesser wissen's besser! Und so war auch der heutige kulinarische Beweis menschlicher Destruktivität keine Überraschung: die Sauce entpuppte sich als undefinierbares Bindemittel, in dem große Pfützen Öls schwammen. Die Füllung machte sich allein durch ihren leichten, dennoch unangenehm süßlichen Nachgeschmack bemerkbar, vergleichbar mit dem Geschmack beim Ablecken einer Briefmarke.


Als Beilage wurde eine Erbsensuppe gereicht, die ihrem Namen alle Ehre machte: sie bestand fast ausschließlich aus Erbsen, an denen die gleiche Grundsubstanz wie an den Nudeltaschen klebte. Der Griff zum Glas, allein um die Erbsenbrühe schlucken zu können, eine schlechte Idee:
das Gesöff steckte voller harter Krümel. So gab's dann doch noch was zu kauen - immerhin.

Analog-Fleisch

Freitag, die Kantine verströmt den Charme eines alten Fisch-Containers, instinktiv meldet sich der Würgereiz. Der Blick über die Alternativen ernüchtert: es gibt Tofu, das Fleisch rückgratloser Veganer und genußresistenter Reformhauskunden.

Auf der Oberseite des Tofu-Riegels klebt eine unregelmäßige Schicht feuchten Sesams, fast so, als wäre der Riegel auf dieser Seite auf dem Küchenboden gelandet. Fast, denn heute finden wir keinen Rattenkot.

Zum Geschmack lässt sich aufgrund totaler Abwesenheit nichts sagen; genauso hätte ich auf einer Rolle feuchten Küchenpapiers kauen können. Dennoch auf seltsame Weise eklig, auch wegen des undefinierbaren Mundgefühls.

Noch ein Wort zur Grundlage: sieht nicht nur aus wie Erbrochenes nach asiatischer Art, sonder war auch ähnlich ungenießbar.

Wenigstens hatte der Bäcker nebenan noch warme Leberkässemmeln.

Nudelmatsch & Suppenpantsch

Regelmäßige Kantinenesser sind einiges gewohnt, aber die heutige Mischung aus Essensresten hatte eine besondere Affinität zum Durchfall.
Fangen wir mit der Vorspeise an. Eine Suppe, ansehlich wie die Reste im Ausguß mit einem Geschmack, als wäre ein Speiseöltanker auf dem Toten Meer verunglückt.

Das Nudelgericht, das an einen Haufen alter Tampons mit Monatsblutung erinnert, lässt im Vergleich jegliche Kombination Nudeln+Ketchup wie einen unerreichbaren kulinarischen Traum wirken.

Mein Versuch, die fade Grütze mit Obatzdn aufzubessern, war nicht unbedingt ein Erfolg. Falls es etwas wie konzentrierte Butteressenz noch nicht gibt: hiermit wäre der Fettgehalt der nach ranzigen Camembert und alten Paprika müffelnden Kugeln einigermaßen beschrieben.

Einziges Highlight: der frischgepresste Saft (wohlgemerkt nur frischgepresst, nicht frisch) - der Gesundheit wegen. Hier wird wenigstens auf halbwegs passable Art und Weise verarbeitet, was gestern an der Obsttheke liegen blieb.

Wieder ein Tag Kantinenessens überlebt - aber das Schlimmste kommt ja noch. Mahlzeit!